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50 Jahre zeka: Podiumsgespräch


Redaktion zeka Stiftung

Die erste grosse Veranstaltung im Jubiläumsjahr führte zeka am 2. Mai im Kultur- und Kongresshaus in Aarau durch. Auf dem Podium diskutierten Persönlichkeiten über die Frage, was es zu bewegen gibt, damit sich Menschen mit Körperbehinderungen so autonom wie möglich in unserer Gesellschaft bewegen können – getreu dem Jubiläumsmotto „zeka bewegt“.

Zum Auftakt begrüsste Stiftungsratspräsident Markus Leimbacher die über 200 Gäste und erläuterte die wichtigsten Meilensteine in der 50jährigen Geschichte von zeka. Mit dem bescheidenen Stiftungskapital von 1'000 Franken gegründet, ist zeka heute zu einem veritablen KMU mit knapp 350 Mitarbeitenden und einem Umsatz von 29 Millionen Franken heran gewachsen.

Stiftungsleiter Ueli Speich nimmt in seiner Rede unter anderem Bezug auf das Betreuungsgesetz. Dieses wurde vom Grossen Rat auf den Tag genau vor genau 10 Jahren mit 112 zu 0 Stimmen angenommen. Seither ist wenig passiert. Nach einem Personalwechsel im entsprechenden Departement vor rund einem Jahr kommt nun Bewegung in die Sache. Endlich beginnen die nötigen Bedarfsabklärungen und Angebotsplanungen.

Reden von Markus Leimbacher und Ueli Speich


Reden von Markus Leimbacher und Ueli Speich (83.2 kB) download


Kluft zwischen Gesetz und Praxis

Moderatorin Helen Issler stellt den Podiumsteilnehmenden als erstes die Frage, wo die Schweiz in Bezug auf die Gleichstellung heute steht. Konrad Stokar, Geschäftsleiter der Vereinigung Cerebral Schweiz, stellt fest, dass in der Schweiz aufgrund der Kompromissfreudigkeit alles etwas länger dauert als in anderen Ländern. Die Gesetze, so ist man sich auf dem Podium einig, seien zwar da, aber der Weg zur Umsetzung in die Praxis sei ein sehr langer. Regierungsrat Alex Hürzeler nimmt Bezug auf das Betreuungsgesetz und ist überzeugt, dass man inzwischen mit einem neuen und sehr guten „Drive“ unterwegs sei. Dies auch dank der Unterstützung der 73 Institutionen im Kanton Aargau.

Weniger rosig sieht die Integration von Menschen mit Körperbehinderungen in den ersten Arbeitsmarkt aus. Susanne Schriber, Professorin an der Interkantonalen Hochschule für Heilpädagogik und selber im Rollstuhl unterwegs, sieht hier einen sehr grossen Handlungsbedarf. Während in der Schule die Integration gefördert und gelebt wird, stehen die Schülerinnen und Schüler nach dem Abschluss vor dem Nichts. Wenig Arbeitgeber sind heute bereit, Menschen mit Behinderungen zu beschäftigen. Zu gross sind die Berührungsängste und der Druck in Bezug auf Leistung und Effizienz. Besonders wichtig sind hier persönliche Beziehungen, eigenes Engagement und Kreativität. Nationalrat Christian Lohr hält denn auch sehr wenig von gesetzlichen Quoten. Obwohl es meist bei den guten Worten bleibt und bisher keine IV-Revision ihre Versprechen gehalten hat, sieht er die Lösung eher bei einem leichten Druck gegenüber den Arbeitgebern, vorwiegend aber in der Überzeugung und im Selbstverständnis derjenigen. Zudem ist es unabdingbar, dass die verschiedenen Partner wie IV und Arbeitgeber zusammenarbeiten.

Genau hier setzt zeka mit der neuen Dienstleistung „supported education“ und „supported employment“ an. Die Aargauer Zeitung hat dieses Thema im Vorfeld und im Rahmen des Podiumsgespräches detailliert aufgenommen.

Berichterstattung aus der Aargauer Zeitung


Berichterstattung aus der Aargauer Zeitung (722 kB) download

 

Berühungsängste abbauen und kommunizieren

Konrad Stokar ergänzt hierzu, dass man von der Gesellschaft nicht nur immer fordern darf, ohne gutes Beispiel voranzugehen. Er kennt sehr viele Organisationen, die sich für Menschen mit Behinderungen einsetzen und nimmt regelmässig Sitzungen mit Mitarbeitenden von solchen teil. Trotzdem ist er meist der einzige Anwesende mit einer Behinderung.

Die Runde diskutiert über die schweizweiten Sparmassnahmen auf Bundes- und Kantonsebene, die bevorstehende Abstimmung zum Fortpflanzungsgesetz mit seinen zahlreichen Chancen, Risiken und Widersprüchen sowie über die medizinische und technische Entwicklung.

Daniela Tenger vom Gottlieb-Duttweiler-Institut sieht insbesondere in der technischen Entwicklung neue Chancen der beruflichen Integration. Trends zeigen, dass neue, allgemeine Arbeitsstrukturen vermehrt zeit- und ortsunabhängig werden. Dies entspricht den Bedürfnissen von Menschen mit Körperbehinderungen, die von überall mit den nötigen Hilfsmitteln ihre Arbeit ausführen und so ihren Beitrag leisten können. Die Gesprächsrunde sieht sehr viel (Arbeits-)Potential von Menschen mit Behinderungen. Wichtig ist aber ein gewisser Wertewandel: Nicht das Defizit soll im Vordergrund stehen, sondern die Ressource. Um einen solchen Wandel zu bewerkstelligen ist die Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Partnern sowie stete Kommunikation gefragt. Am Ende geht es gemäss Christian Lohr noch immer darum, der Gesellschaft die Angst vor dem Thema Behinderung zu nehmen und das Zusammenleben als Chance zu betrachten.

Am Schluss der Veranstaltung bat Ueli Speich Lotti Bichsel und Gérald Erne auf die Bühne. Gemeinsam haben die drei das 50jährige Bestehen von zeka geprägt. Lotti Bichsel war die erste Heimleiterin im Schulheim Aarau, auch wenn sie selber ihre damalige Tätigkeit eher als „Hausmutter“ bezeichnet. Gérald Erne übernahm die Leitung im Jahre 1970. Während 30 Jahren hat er die Angebote von zeka bedürfnisorientiert weiter entwickelt, bis er im Jahr 2000 den Stab an Ueli Speich übergab. Selten dürfte man 50 Jahre Leitungsgeschichte in Form von nur drei Personen auf einer Bühne sehen.

Ohne die Unterstützung von folgenden Unternehmen hätte zeka diesen Anlass nicht durchführen können:

Herzlichen Dank!

Ein Dankeschön geht auch an die Band „Männerabend live“, die musikalisch durch den Abend geführt hat.

Text und Fotos: Petra Bolfing, Leiterin Marketing, PR und Fundraising

Berichterstattung der Aarauer Nachrichten vom 13.05.2016

50 Jahre zeka: "Menschen mit Körperbehinderungen besser integrieren"


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