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Anders sein und doch dabei


Redaktion zeka Stiftung

Ich habe gemerkt, dass die anderen gar nicht so anders sind als wir“, meinte Lea vom zeka Zentrum Baden am Ende des Tages. Mit „anderen“ meinte sie die 15 Jugendlichen vom Schulhaus Pfaffechappe in Baden. Diese kamen für einen Tag zu Besuch nach Dättwil und lernten dort 17 gleichaltrige Schülerinnen und Schüler mit körperlichen Beeinträchtigungen kennen.

Die Jugendlichen der Pfaffechappe liessen sich in Kleingruppen das zeka Zentrum Baden zeigen. Die zeka-Schülerinnen und –Schüler führten den Besuch durch die Schul- und Therapiezimmer, erklärten, was Ergotherapie, Logopädie und Physiotherapie ist und beantworteten allerlei Fragen. Bis zum Mittagessen kannte sich die bunt gemischte Gruppe von Jugendlichen mit und ohne Körperbehinderungen ziemlich gut. Erste Berührungsängste waren dank verschiedener Spiele abgebaut. Sie interessierten sich füreinander, tauschten sich aus, assen gemeinsam.

Parcours „Behinderungen erlebbar machen“

Am Nachmittag durchliefen die Jugendlichen einen Parcours mit acht verschiedenen Posten. An jedem Posten konnten sie während einer Viertelstunde eine Behinderungsart ein klein wenig selber erleben:

Hörbehinderung
Die Jugendlichen müssen ein Diktat schreiben. Die Lehrerin flüstert die Sätze ganz leise. Hohe Konzentration ist gefragt. Im Anschluss stellt sich die Gruppe die Frage, was schlimmer ist, hör- oder sehbehindert? Joy meint: „Beides ist blöd. In der Gestik sehe ich aber, ob jemand während dem Sprechen lügt oder nicht. Das würde ich als Blinde nicht bemerken.“

Sehbehinderung
Augenbinden anziehen und seinen Namen mit Adresse schreiben – das geht noch einigermassen. Schwieriger wird es mit den Emojies oder mit einem Haus. Ist die Türe am richtigen Ort? Oder vielmehr irgendwo im Keller oder im Obergeschoss?

Lernbehinderung
Was versteht man darunter? Die Schüler antworten: Eine Lernbehinderung ist, wenn man beispielsweise die Zahlen nicht richtig nacheinander aufzählen kann oder wenn man Mühe mit Lesen hat oder wenn man halt einfach nicht versteht, worum es geht. Genau so ergeht es der Gruppe, als der Lehrer die erste Strophe eines russischen Gedichtes diktiert, auf russisch natürlich. Etwas zu schreiben, das für einen nicht den geringsten Sinn macht. Sehr schwierig!

Sprachbehinderung
Ich befinde mich irgendwo auf der Strasse, suche den Bahnhof, kenne mich nicht aus – und kann nicht sprechen. Mit Mimik und Gestik versuche ich mich verständlich zu machen. Es dauert und braucht viel Geduld, bis mich die Gruppe versteht und mir helfen kann!

Feinmotorik
Was, wenn man in der Feinmotorik eingeschränkt ist und die Finger etwas „klumsig“ sind? Im Textilen Werken erleben die Jugendlichen dieses Gefühl auf eindrückliche Art und Weise. Sie müssen mit Handschuhen einen Knopf annähen. Veljko erklärt: „Ich habe fast kein Gefühl in den Fingern und die Nadel spüre ich schon gar nicht!“

Spastik
Hier geht es ziemlich zur Sache: Schraube nehmen, Schraubenplatten anbringen, Mutter darüber und das Ganze mit Handschuhen und mit in der Bewegung eingeschränkten Armen. Als ob dies nicht schon schwierig genug wäre, kommt jetzt noch die Spastik dazu. Da hat sich der Werklehrer was ganz Besonderes einfallen lassen: An den Kartonröhren, die die Arme der Jugendlichen ziemlich unbeweglich machen, hat er Schnüre befestigt. Daran zieht der Lehrer, während die Schülerinnen und Schüler ihre Aufgabe lösen, ganz plötzlich und unberechenbar, genau wie die spastischen Lähmungen kommen. Man kann sie nicht beeinflussen.

Tastsinn
Wer blind ist, kann sich mit einem Blindenstock oder einem Blindenhund helfen. Das wissen die Jugendlichen. Sie sind sich auch bewusst, dass, wenn man wenig sieht, sich automatisch andere Sinne besser entwickeln. Nun sind sie an der Reihe, in zwei Kisten verschiedene Gegenstände zu ertasten und zu erraten, was sie in der Hand haben. Gar nicht so einfach.

Rollstuhlparcours
Wie fühlt es sich in einem Rollstuhl an? Wie fährt man über ein Hindernis? Den Jugendlichen macht diese Erfahrung Spass. Sie sind sich aber auch einig, dass das ziemlich schwierig sein kann.

Am Schluss des Tages haben wir einige Eindrücke gesammelt:

  • Es war ein ganz neues Gefühl, Jugendliche von der Oberstufe einer Regelschule kennenzulernen. Die Posten waren toll. Zudem habe ich heute auch mal einen Einblick in andere Behinderungen bekommen.
    Alain, zeka
     
  • Es hat Spass gemacht. Ich habe zudem gesehen, dass auch die anderen ohne Behinderungen zum Teil Mühe hatten.
    Niklas, zeka
     
  • Ich durfte neue Leute kennen lernen und einen Einblick ins Thema Behinderung erhalten. Das war sehr interessant.
    Lukas, Pfaffechappe
     
  • Meine Vorurteile gegenüber meiner eigenen Zeit in der Regelschule, wo ich oft gemobbt wurde, haben sich heute relativiert. Ich bin der Regelschule wieder näher gekommen.
    Martin, zeka
     
  • Mir hat es sehr gefallen. Es war ein angenehmer Tag, den man für andere Schüler wiederholen sollte.
    Noah, Pfaffechappe

Zu guter Letzt gab es eine kleine Umfrage mit folgendem Resultat: Die Schülerinnen und Schüler erteilten den Lehrpersonen, die diesen Tag mit grossem Elan und viel Engagement organisiert hatten, ein „gut bis sehr gut“!

Text und Fotos: Petra Bolfing, Leiterin Marketing, PR und Fundraising

 


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